10.12.2008: Mahnbescheid vs. Klage

Mahnbescheid vs. Klage - was ist der beste Weg?

Sollte eine außergerichtliche Streitbeilegung erfolglos verlaufen oder wird diese gar nicht erst in Betracht gezogen werden, muss sich der Gläubiger zwischen der Beantragung eines Mahnbescheids oder einer Klageerhebung entscheiden.

Das gerichtliche Mahnverfahren wird durch den Antrag auf Erlass eines Mahnbescheids beim zuständigen zentralen Mahngericht eingeleitet und soll dem Gläubiger ohne Klage, ohne mündliche Verhandlung und ohne Urteil zu einem vollstreckbaren Titel verhelfen. Dieses Verfahren ist ein, im Vergleich zur Klage, sehr viel schnelleres, kostengünstigeres und einfacheres Verfahren.
Schnell. Gerade weil eben keine Klage erhoben werden muss, keine mündliche Verhandlung oder eine Beweisaufnahme stattfindet, ist diese besonders schnell.

Kostengünstig. Natürlich fallen auch für das gerichtliche Mahnverfahren Gerichtskosten und eventuell Rechtsanwaltsgebühren an. Diese sind aber weitaus geringer als die, die für ein Klageverfahren mit Gerichtstermin(en) anfallen. Zum Beispiel bekommt ein Rechtsanwalt für den Antrag auf Erlass eines Mahnbescheids bei einem Gegenstandswert von 1.500,00 € insgesamt 148,50 €.

Für den Entwurf der Klageschrift und Einreichung bei Gericht bekommt der Prozessbevollmächtigte bei gleichem Streitwert 186,24 €.
Nicht zu vergessen sind die Gerichtskosten, die zu den oben aufgeführten Beträgen hinzuzurechnen sind, da diese ebenfalls vorerst vom Gläubiger bzw. Kläger zu verauslagen sind. Im gerichtlichen Mahnverfahren handelt es sich lediglich um eine 0,5 Gerichtskostengebühr, im Klageverfahren dagegen ist es eine 3,0 Gerichtskostengebühr vorzuschießen. Einfach. Für den Antrag auf Erlass eines Mahn- oder Vollstreckungsbescheids sind bundesweit die dafür vorgesehenen Formulare zu verwenden, die günstig in Schreibwarenläden zu erwerben sind oder ganz unkompliziert auf www.mahnbescheid.com online beantragt werden können.

Das Klageverfahren des Zivilrechts wird durch die Einreichung einer Klageschrift beim zuständigen Prozessgericht der 1. Instanz eingeleitet (Anhängigkeit).

Die sachliche Zuständigkeit richtet sich nach der Streitwerthöhe. Örtlich zuständig ist, von Ausnahmen abgesehen, das Amts- oder Landgericht, in dessen Bezirk der Beklagte seinen allgemeinen Gerichtsstand, d. h. seinen Wohnsitz hat.

Nach Eingang der Klage bei Gericht wird diese mit einem Eingangsstempel versehen, das Aktenzeichen wird vergeben und es wird geprüft, ob der Kläger den Gerichtskostenvorschuss eingezahlt hat. Ist dies geschehen, wird die Klage dem vorsitzenden Richter zur weiteren Verfügung vorgelegt.

Dieser verfügt die Zustellung der Klage an den Beklagten (Rechtshängigkeit) und entscheidet gleichzeitig, ob zunächst das das sogenannte schriftliche Vorverfahren durchgeführt oder ob gleich ein früher erster Verhandlungstermin anberaumt werden soll.

Ein Klageverfahren kann sich, besonders in Angelegenheiten mit komplexen Sachverhalten sehr lange, teilweise über Jahre, hinziehen. Besonders bei nicht unstreitigen Ansprüchen, im Falle eines Widerspruchs gegen den beantragten Mahnbescheid oder bei Einlegung des Einspruchs gegen den Vollstreckungsbescheid ist das Klageverfahren die einzige und letzte Möglichkeit der Durchsetzung des streitigen Anspruchs.

(erstellt und recherchiert von S. Schmidt, Mitarbeiterin bei 'Kuven Rechtsanwälte')

( von Rechtsanwalt S. Al-Lami )

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