01.03.2009: Mahnbescheid online - Erfahrungen mit Mahngerichten

Seit 01.12.2008 Mahnbescheid nur noch online - Segen oder Fluch?

Seit dem 01.12.2008 ist der Mahnbescheid von Rechtsanwälten und Inkasso-Firmen nur noch online an die Mahngerichte übermittelt werden. Mahnbescheid.com berichtete hierüber. Nun wird es Zeit, ein erstes Mal zurückzublicken und erste Auswertungen vorzunehmen.

Die meisten Rechtsanwälte haben nach unseren Befragungen zunächst - manchmal auch ungewollt - eine Testphase bei den Mahngerichten installiert und manchmal erst beim ersten erntsgemeinten Mahnantrag erfahren, dass dieser gar nicht als ein echter Mahnbescheid bearbeitet wurde. Dies lies sich dann meist telefonisch klären, warf aber oft die Folgefrage auf, ob man denn nun im Moment bei allen Mahngerichten "Testkunde" sei?

Bei einigen Teilnehmern gab es einige Verständnisprobleme mit dem sog. EGVP, dem 'elektronischen Gerichts - und Verwaltungspostfach'. Tatsächlich ist die Konstruktion diese, dass die Mahngerichte und Behörden ausschließlich mit dieser recht überschaubar programmierten EGVP-Software kommunizieren und dort auch sämtliche Signaturen u.ä. verwaltet werden.

Sämtliche Anwendersoftware setzt nun auf diese EGVP-Schnittstelle auf und liefert ihre Daten dort zum Versand hinein, bzw. liest sie dort aus. Wenn nun beispielsweise eine Anwaltskanzlei mit der Kanzleisoftware RA-Micro arbeitet, dann wird der Mahnbescheid dort, wie üblich erstellt, wobei sogar das nicht mehr verwendete Mahnbescheids-Formular zur Verfügung steht. Diese Kanzleisoftware packt nun die Mahnbescheidsdaten in ein Paket, welches vom EGVP lesbar ist und schickt diese Daten an das EGVP. Dann gehts weiter, wie oben beschrieben.

Kommen nun Daten des Mahngerichtes im EGVP an, kann die Kanzleisoftware diese aus dem EGVP auslesen und intern zur jeweiligen Akte weiter verarbeiten.

Kein schlechter Plan soweit. Der Nebeneffekt war, dass mit der Installation dieser Komponenten nahezu alle Kanzleien überfordert waren und sich die Hersteller mit ausführlichen Anleitungen auch recht bedeckt hielten. An der Support-Hotline hieß es eintönig: Vereinbaren Sie bitte einen Service-Termin. Was dann auch viele taten. Es bleibt festzuhalten, dass die Monaten vor und nach dem Stichtag für die Servicetechniker oder besser für Ihre Arbeitgeber ohne Frage goldene Zeiten waren.

Hat man sich aber einmal eingespielt und ist jeder Fluch einmal ausgesprochen ("das dauert ja dreimal solange, als hätte ich dieses $%&§-Formular mit der Hand ausgefüllt), dass geht die Übermittlung doch recht flüssig von der Hand und die Vorteile dieses in der Sache sehr effizienten Verfahrens werden deutlich.

Mahnbescheid.com arbeitet im Ergebnis gern mit dem Mahnbescheid via EGVP und erstellt alle Anträge zum Mahnbescheid und Vollstreckungsbescheid automatisch und online. Wirklicher Nutznießer ist der Mandant oder Kunde, welcher seinen Antrag tagesakuell eingereicht sieht.

( von Rechtsanwalt S. Al-Lami )

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